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Von Tatami bis Metall - Schmuckdesign von Takayoshi Terajima

Takayoshi Terajima ist ein junger, japanischer Schmuckdesigner, welcher dieses Jahr sein Kunst-Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München gemacht hat. Seine Leidenschaft liegt im experimentieren mit verschiedene  Materialien wie Tatami, eine traditionell japanische Matte aus Reisstroh.  Aber ganz besonders liebt Terajima Metall. Diese Liebe zum Material Metall war deutlich in seiner Ausstellung Brettspiel , welche an der diesjährigen Munich Jewellery Week teilnahm, zu spüren.

brettspiel ausstellung von takayoshi terajima in münchen

Brettspiel?

 

Dieser Titel sorgte bei mir anfangs für Verwirrung. Nachdem mir aber Terajima einen Flyer mit dem Ausstellungskatalog in die Hand drückte, wurde mir schnell klar, warum er diesen Titel gewählt hatte. 

 

Einzeln, quadratische Felder zogen sich hinter- und nebeneinander durch den Raum. Die Fläche der Akademie Galerie wurde also nur am Boden bespielt.

Eine Art Lebenslinie? Fast.

 

Terajima hatte seinen Werdegang je nach Entwicklungsstand nebeneinander gelegt. Die kleinen braunen Quadrate standen für Entwicklungsstufen, die großen weißen Quadrate zeigten fertige Produkte. So reihte sich also das erste Semester bis zum letzten Semester, der Abschlussarbeit, aneinander. Diese Art der Präsentation gefiel mir ganz besonders, da Terajima den Besuchern nicht nur einen Blick auf fertige Designs gab, sondern auch einen Einblick in seine Gedankenwelt, in Form von Auszügen aus Skizzenbüchern.

Erste Entwicklungen (oben links, oben mittig), Ergebnis: TATAMI Armband Material: Tatami (japanische Reisstrohmatte)

Erste Entwicklungen (unten links), Ergebnis: TSUBA Anhänger Material: Kupfer, Neusilber, Zink, Enamel, Schnur;

Abschlussarbeit: Omamori

Seine Abschlussarbeit stellte Terajima unter dem Titel Omamori vor. Omamori ist ein japanischer Glücksbringer und so sollte auch seine Arbeit getragen werden. Das Objekt besteht zwar aus Metall, wurde aber anhand von Papiermodellen so entwickelt, dass es letztendlich auch wie aus Papier geformt wirkt. Die Maße von  120 x 80 x 25 mm machen es möglich, dass kleine Gegenstände, welche der Träger oder die Trägerin gerne bei sich haben möchten, rein getan werden können. Terajima hatte zum Beispiel in seinem persönlichen Omamori einen kleinen Volleyball, da er leidenschaftlich dieses Hobby betreibt.

Der Künstler über seine Arbeit:                          

brettspiel ausstellung von takayoshi terajima in münchen omamori

Meine Grundidee ist, dass Schmuck ein Behälter ist, in dem die Wünsche der Menschen eingeschlossen werden.

Warum sehe ich Schmuck als einen Behälter an? Dieser Gedanke kommt von meinem alten Interesse über die Grenze zwischen Schmuck und Objekt. Ist etwas schon ein Ring, weil es eine Öffnung für den Finger hat? Oder ein Anhänger, weil es vom Hals runterhängt? Macht die Tatsache, dass dabei Gold oder Edelstein verwendet wurde, etwas zum Schmuck?

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es davon abhängt, ob das Objekt ein Verlangen des Trägers in sich birgt oder nicht.

Diesen Anspruch, dass ein Schmuck den persönlich Wunsch beinhalten soll, hat natürlich jeder von uns. Manche Menschen wollen gerne darin ihren sozialen Status oder ihre Macht nach außen demonstrieren. Andere aber wollen darin ihre Emotionen und Wünsche aufbewahren, um sie stets bei sich zu haben.

In dieser Hinsicht transzendiert Schmuck äußere Schönheit, Formgebung und materiellen Wert. Schmuck umfasst nämlich das menschliche Verlangen des Trägers nach einem spirituellen Halt. So ist Schmuck keine passive Kunstarbeit, die bloß für die Betrachter gemacht ist. Hier kann der Betrachter selbst seinen Wunsch in den Schmuck setzen. Dadurch gewinnt Schmuck eine unmittelbare Beziehung zum Menschen, der ihn trägt. Der Betrachter kann sie konkret realisieren, indem er die Dinge selbst in die Hände nimmt. Und diese direkte Erfahrung mit dem Schmuck erweckt die Frage: Was bedeutet das menschliche Bedürfnis, sich schmücken zu wollen?

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Da die Oberfläche bei der Bearbeitung immer anders wird, ist jeder Anhänger ein Unikat

Gefällt euch das Design vom jungen, japanischen Künstler Terajima auch so gut? Mich erinnert die Oberfläche der Anhänger an die japanische wabi sabi-Ästhetik. Ich hoffe, dass seine Arbeiten noch viele Menschen erreichen werden, da sie nicht nur oberflächlich schön sind, sondern auch eine tiefere Bedeutung haben.

 

Schaut euch auch mal seinen Blog an >>KLICK!<<

 

floratcha

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